Ha-dira

Ha-dira



Title: Ha-dira
Title: Die Wohnung
Author: Goldfinger, Arnon
Date: 2011
Type: video
Abstract: Eine Wohnung in Tel Aviv, ein Stück Berlin mitten in Israel. 70 Jahre lang hat Gerda Tuchler hier mit Ehemann Kurt gelebt, nachdem sie vor dem Holocaust aus Deutschland fliehen mussten. Weggeschmissen haben sie nichts. Als sie mit 98 Jahren stirbt, trifft sich die Familie zur Wohnungsauflösung. Inmitten unzähliger Briefe, Fotos und Dokumente werden Spuren einer unbekannten Vergangenheit entdeckt: Die jüdischen Großeltern waren eng befreundet mit der Familie des SS-Offiziers Leopold von Mildenstein. Filmemacher und Enkel Arnon Goldfinger nimmt zusammen mit seiner Mutter den Kampf auf: mit Wut und Mut gegen die Kisten, den Staub, die Antiquitäten, die Familie, die Vergangenheit und die Gegenwart, Verdrängung und Wahrheit. Mit der Kamera beobachtet er die Wohnungsauflösung. Trotz der Trauer entstehen dabei auch heitere Momente. Während alter Plunder säckeweise über die Balkonbrüstung wandert, hängen die Enkelkinder sich Omas Fuchsstola um den Hals und amüsieren sich. Dann tauchen unerwartet Ausgaben von Goebbels Hetzblatt „Der Angriff“ auf. Verfasser ist besagter Leopold von Mildenstein, den Großmutter Gerda und ihr Mann noch nach dem Krieg mehrfach in Deutschland besuchten. Wie kam es zu dieser Freundschaft zwischen verfolgten Juden und dem ehemaligen Vorgesetzten Adolf Eichmanns? In einer frühen Phase der nationalsozialistischen Politik galt die zionistische Auswanderung nach Israel als ein Lösungsansatz für die sogenannte „Judenfrage“. Mildenstein vertrat diese Idee in seinen Artikeln und unternahm mit dem jüdischen Ehepaar Tuchler 1933 offensichtlich eine Erkundungsreise nach Palästina. 1937 flohen die Tuchlers nach Tel Aviv, blieben aber immer der deutschen Kultur zugeneigt. Die Freundschaft wurde nach dem Krieg wieder aufgenommen. Über die Aktivitäten des SS-Manns Mildenstein wurde anscheinend nicht gesprochen. Mehrmals reist Regisseur Goldfinger nach Wuppertal zur Tochter der Mildensteins, die Gerda und Kurt Tuchler noch persönlich kannte. Nach anfänglicher Herzlichkeit endet die Begegnung in peinlicher Beklemmung. Fünf lange Jahre dauerten die Dreharbeiten zu dem Film, der sich wie eine Detektivgeschichte entwickelt. Eine endgültige Antwort auf die Fragen nach dieser besonderen Beziehung findet er nicht, aber seit der Film öffentlich gezeigt wird, verlassen ihn Menschen mit Fragen an ihre eigenen Eltern, die sie offensichtlich nie gestellt haben. Das hat für einige Gespräche zwischen den Generationen gesorgt.
Extent: 01:37:00
URI: http://hdl.handle.net/10858/18810

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